Wer sind die Besten im ganzen Land?

 VERGLEICHSPORTALE

Vergleichsportale

Wer sind die Besten im ganzen Land?

Ob Energieversorgung, Mobilfunkvertrag oder Versicherung, Vergleichsportale wie Check24 versprechen eine schnelle und objektive Antwort. Doch wie hilfreich sind die überhaupt? Ein Beispiel:

Alex ist mit dem Studium fertig und benötigt eine Haftpflichtversicherung. Bisher war er über seine Eltern versichert. Damit ist es jetzt vorbei, denn mit dem Abschluss des Studiums endet die Mitversicherung.

Helfen Vergleichsportale?

Alex macht sich deshalb auf die Suche nach dem besten Angebot und nutzt dazu ein Online-Vergleichsportal. Ein paar Kreuzchen gesetzt und schon spuckt ihm der Algorithmus eine Liste passender Angebote aus. Wow! Die günstigste Singlepolice ist schon für knapp 25 Euro im Jahr zu haben. Doch Alex „befragt“ sicherheitshalber noch drei weitere Vergleichsportale…

Wie soll man das verstehen?

Danach ist er ratlos. Und verwirrt. Viermal hat er dieselben Eingaben gemacht, viermal bekommt er ein anderes Ergebnis. Um das zu verstehen, muss Alex schon genau hingucken und die Portale selbst untereinander vergleichen. So ist seine favorisierte Police auf zwei Portalen gar nicht gelistet. Zwei der Vergleiche setzen die Police mit dem niedrigsten Preis nach oben, die anderen beiden die mit der besten Bewertung. Auf zwei Portalen wird eine Tarifnote (2,1) vergeben, beim dritten Sternchen (2,5 von 5), beim vierten eine Punktzahl (75 von 156). Dabei scheinen die Kriterien der jeweiligen Bewertungen aber ganz unterschiedlich zu sein, so genau ist das auf den ersten Blick nicht zu erkennen.

Was habe ich da eigentlich angekreuzt?

Genervt will Alex aufgeben, da fällt ihm etwas Entscheidendes auf: Seine anfangs auserwählte Police scheint auch deshalb so günstig zu sein, weil sie eine Selbstbeteiligung von 150 Euro enthält. Alex hatte das auch so angekreuzt. Bei den anderen Vergleichsportalen allerdings war keine Selbstbeteiligung voreingestellt, das hätte er dort erst im dritten Schritt über einen Filter ändern können. Nun macht sich Alex Gedanken darüber, was das eigentlich in einem konkreten Schadenfall bedeuten könnte – Selbstbeteiligung bis 150 Euro? Gute Frage!

Smartphone Icon ratlos

Auf das „Kleingedruckte“ kommt es an

Wer nur auf die Versicherungsprämie schaut, spart am falschen Ende. Und das kann im Schadenfall teuer werden. Was hilft Alex beispielsweise eine Beitragsersparnis von 10 Euro im Jahr, wenn er bei jedem Schadenfall 150 Euro selbst zahlen muss? Da müsste er ja 15 Jahre schadenfrei sein, um überhaupt einen Vorteil zu haben.

Manche Vergleichsportale fragen – zu Recht – nach der Mitversicherung einer ehrenamtlichen Tätigkeit. Kennt Alex die Tragweite, wenn er hier Nein ankreuzt? Er trainiert einmal in der Woche ein Mädchenfußballteam. Oder wenn er den Punkt Eigene Tiere ignoriert, weil er doch keinen Hund hat, nur eine kleine Wohnungskatze? Weiß er, wie eventuelle Schäden durch seine persönliche Internetnutzung einzuschätzen sind? Und ob er Mietsachschäden und selbst so eine kleine Sache wie Schlüsselverlust ankreuzen sollte oder nicht? Alex hat Glück, dass er diese Punkte noch entdeckt hat. Auf manchen Vergleichsportalen werden solche Details gar nicht abfragt.

Den tatsächliche Bedarf ermitteln

Angebotsvergleiche sind nur dann sinnvoll, wenn die persönlichen Risiken und Bedarfe ganz genau abgesteckt sind. Vergleichsportale können da lediglich eine grobe Orientierung geben. Alex könnte sich auch für eine „XXL-Deckung“ entscheiden, dann wäre das Risiko doch gleich Null, denkt er. Aber stimmt das tatsächlich? Mal abgesehen von einer unter Umständen unnötig hohen Prämie: Wäre er damit gut bedient?

Alex wird sich demnächst als IT‘ler selbstständig machen. Da könnte der Einschluss einer beruflichen Haftung sinnvoll sein. Und weiß Alex, dass er die Untervermietung an seine Mitbewohnerin eigentlich mitversichern muss? Beides deckt eine XXL-Police nicht ab.

Preis-Leistungs-Verhältnis als Maßstab

Die persönlichen Umstände und das damit verbundene Haftungsrisiko lassen sich also nicht allein über angekreuzte Checkboxen ermitteln. Für den Abschluss einer für ihn passenden Police sollte Alex lieber professionelle Beratung in Anspruch nehmen. Im Ergebnis bekommt er, zu einem guten Preis, einen Versicherungsschutz, den er tatsächlich benötigt. Dazu gehört auch eine dem persönlichen Haftungsrisiko angemessene Versicherungssumme und eine gute Betreuung im Schadenfall.  

Denn die günstigste Police bemisst sich nicht an der niedrigsten Prämie sondern an der Frage: Wo zahle ich am wenigsten für alles, was ich brauche oder will? Oder: wer hat das beste Preis-Leistungs-Verhältnis?

junge Frau ratlos am laptop

Was soll man also von Vergleichsportalen halten?

Vergleichsportale sind unterschiedlich aufgestellt. Einigen „genügen“ schon wenige Parameter, um das angeblich passende Angebot mit dem niedrigsten Preis zu ermitteln. Andere gehen da durchaus differenzierter vor. Die Bewertungskriterien aber sind von Portal zu Portal unterschiedlich, sprich: subjektiv. Selten kommen zwei Ranglisten zum selben Ergebnis!

Neutral und transparent können Vergleiche zudem nur dann sein, wenn alle Anbieter auf dem Markt herangezogen wurden. Und das tun, wenn überhaupt, die wenigsten. So sind bereits zwei der größten Vergleichsportale, Verivox und Check24, per Gerichtsurteil dazu verpflichtet worden, auf ihre beschränkte Marktauswahl hinzuweisen und die ausgewählten Anbieter konkret zu benennen. Inwieweit sie und andere auch Provisionen oder ähnliches fürs Ranking erhalten, kann man bislang nur mutmaßen.